Die Elbphilharmonie geht in ihre zehnte Saison — und das Programm für 2026/27 zeigt eindrucksvoll, dass sich Hamburgs architektonisches Wahrzeichen längst als einer der führenden Konzertsäle Europas etabliert hat. Mit über 500 Veranstaltungen in der kommenden Spielzeit setzt die Intendanz auf eine Mischung aus bewährten Traditionen und gewagten Experimenten.

Große Orchesterzyklen im Großen Saal

Das Herzstück der neuen Saison bildet ein umfassender Mahler-Zyklus, der alle neun vollendeten Sinfonien innerhalb eines Jahres zur Aufführung bringt. Den Auftakt macht das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung von Alan Gilbert mit der monumentalen Achten Sinfonie — der sogenannten Sinfonie der Tausend — gleich zum Saisonstart im September. Die besondere Akustik des Großen Saals, die von Yasuhisa Toyota konzipiert wurde, dürfte gerade bei diesem Werk ihre volle Wirkung entfalten.

Im November folgt das London Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle mit der Sechsten Sinfonie, einem Werk, das Rattle als eines der tragischsten der gesamten Orchesterliteratur bezeichnet hat. Die weiteren Sinfonien verteilen sich über die Saison auf verschiedene Gastorchester, darunter die Wiener Philharmoniker, das Concertgebouworkest Amsterdam und die Berliner Philharmoniker.

Solistinnen und Solisten von Weltrang

Die Liste der Solistinnen und Solisten liest sich wie ein Who's Who der klassischen Musikwelt. Die Pianistin Yuja Wang kehrt im Oktober für zwei Abende zurück und wird neben dem dritten Rachmaninow-Konzert auch ein reines Solorecital geben. Ihr Programm reicht von Scarlatti über Liszt bis zu zeitgenössischen Kompositionen von Thomas Adès.

Der Cellist Yo-Yo Ma wird im Februar 2027 mit einem besonderen Projekt zu Gast sein: einer dreiteiligen Reihe, die Bachs Cellosuiten in den Dialog mit zeitgenössischer Kammermusik stellt. Jeder Abend kombiniert zwei der sechs Suiten mit Auftragswerken junger Komponistinnen und Komponisten aus dem Hamburger Umfeld.

Darüber hinaus werden Recitals von Igor Levit, Hilary Hahn und dem Geiger Augustin Hadelich erwartet. Levit hat sich für seinen Abend ein Programm vorgenommen, das Beethovens späte Sonaten mit Werken von Frederic Rzewski kontrastiert — ein Konzept, das die politische Dimension beider Komponisten herausarbeiten soll.

Neue Musik und experimentelle Formate

Besonders spannend dürfte die Erweiterung des Programms im Bereich der zeitgenössischen Musik werden. Unter dem Titel „Zukunftsklänge" präsentiert die Elbphilharmonie eine vierteilige Reihe, die sich der Minimal Music und ihren Nachfolgern widmet. Steve Reichs „Music for 18 Musicians" wird den Auftakt bilden, gefolgt von Werken von Julia Wolfe, Nico Muhly und der Hamburger Komponistin Sarah Nemtsov.

Im Kleinen Saal wird das Ensemble Resonanz seine Residenz fortsetzen und erneut die Grenzen zwischen Genres ausloten. Geplant sind unter anderem Kooperationen mit der Elektronik-Künstlerin Caterina Barbieri und dem Jazz-Saxophonisten Marius Neset. Diese spartenübergreifenden Projekte haben sich in den vergangenen Jahren als fester Bestandteil der Elbphilharmonie-Identität etabliert.

Wir wollen nicht nur das beste Programm zusammenstellen, sondern auch neue Wege finden, wie Menschen Musik erleben können. Die Elbphilharmonie ist mehr als ein Konzertsaal — sie ist ein Ort der Begegnung.

Musik und Stadtgesellschaft

Die Elbphilharmonie verstärkt in der neuen Saison ihr Engagement im Bereich der Musikvermittlung. Das Programm „Elbphilharmonie für alle" wird ausgebaut: Neben den bewährten Familienkonzerten am Sonntagvormittag gibt es erstmals eine Reihe von Werkstattkonzerten, in denen Musikerinnen und Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters gemeinsam mit dem Publikum Werke erarbeiten und analysieren.

Für Schulklassen wird ein neues Patenschaftsprogramm eingeführt, das Schülerinnen und Schülern aus sozial benachteiligten Stadtteilen den regelmäßigen Besuch von Generalproben ermöglicht. Kooperationspartner sind die Stadtteilkulturzentren in Wilhelmsburg, Billstedt und Harburg.

Jazz und Weltmusik in der Laeiszhalle

Nicht vergessen werden darf die Laeiszhalle, die als zweite große Spielstätte der Elbphilharmonie-Intendanz fungiert und in der kommenden Saison ein eigenständiges Profil im Bereich Jazz und Weltmusik entwickelt. Die Reihe „Global Sounds" bringt Musikerinnen und Musiker aus Westafrika, Brasilien und dem Nahen Osten nach Hamburg. Den Auftakt macht im Oktober die malische Kora-Virtuosin Sona Jobarteh, die als erste Frau in der Geschichte der westafrikanischen Griot-Tradition das Instrument professionell spielt.

Im Bereich Jazz setzt die Laeiszhalle auf eine Mischung aus etablierten Größen und jungen Stimmen. Das Trio des norwegischen Pianisten Helge Lien gastiert im November, gefolgt von der amerikanischen Saxophonistin Lakecia Benjamin im Januar. Besonders interessant dürfte die Residenz des Hamburger Jazzkollektivs „Elbjazz Ensemble" sein, das über drei Abende hinweg mit wechselnden internationalen Gästen improvisiert.

Rahmenprogramm auf der Plaza

Auch die öffentlich zugängliche Plaza wird stärker bespielt. An ausgewählten Sommerabenden finden kostenlose Open-Air-Konzerte statt, die über Lautsprecher auch auf den Vorplatz übertragen werden. Die Reihe „Klingendes Panorama" verbindet kurze Auftritte mit geführten Rundgängen durch das Gebäude und richtet sich besonders an Besucherinnen und Besucher, die die Elbphilharmonie zum ersten Mal erleben.

Die neue Saison beginnt am 12. September 2026. Der Vorverkauf für Abonnements startet bereits Anfang August, der freie Verkauf ab dem 20. August. Angesichts der erfahrungsgemäß hohen Nachfrage empfiehlt es sich, frühzeitig zu planen — insbesondere für die Abende mit den Wiener Philharmonikern und das Mahler-Finale im Juni 2027.

Die Elbphilharmonie beweist mit diesem Programm einmal mehr, dass Hamburg seinen Platz auf der internationalen Musiklandkarte fest behauptet. Wer in der kommenden Saison einen musikalischen Höhepunkt sucht, wird hier mit Sicherheit fündig.